Während das Buch noch vor nicht allzu langer Zeit DIE Möglichkeit war Wissen zu bewahren und weiterzugeben, konkurriert das Buch heute mit seinen digitalen Geschwistern – und scheint zu verlieren. Denn während seine Familie auf digitaler Seite immer mehr an Zuwachs erhält und Internetenzyklopädien, Onlinezeitschriften, Smartphone-Apps, E-Books und andere Onlinewerke aus dem digitalen Boden sprießen und sich wachsender Beliebtheit erfreuen, gehört das Buch mittlerweile zur Seniorengeneration der Medienfamilie und gerät immer mehr in den Hintergrund. Für Menschen, die das Buch als Kunstprodukt sehen, wie Klaus Euler, der eine Kunst- und Buchhandlung führt, schmerzt diese Entwicklung enorm.
Tatsächlich nutzen laut der letzten Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren in ihrer Freizeit Handys, Computer und das Internet etwa dreimal so häufig wie Bücher. Kein Wunder, denn 96 % aller Jugendlichen besitzen ein Handy und fast 80 % einen eigenen Computer oder Laptop. Während lediglich 1% aller Jugendlichen das Internet nie nutzt, lesen 17 % der Jugendlichen nie Bücher und 24 % der Jugendlichen nur einmal im Monat oder sogar seltener. Haben die vermehrte Nutzung der digitalen Medien und der immer seltener werdende Gebrauch von Büchern zur Folge, dass die Generation der sogenannten digital natives verdummt?
Verfechter der Printmedien sind häufig der Meinung das Internet hemme die Kreativität und Phantasie von Jugendlichen, führe zu einer Verdummung und mache im schlimmsten Fall sogar aggressiv. Viele Befürworter der digitalen Medien argumentieren scharf dagegen. So sei nicht untersucht, ob die bestehende Kausalität zwischen Onlinespielen und Gewaltbereitschaft nicht auch durch weitere Faktoren beeinflusst wird, die Qualität von Wikipedia nicht nur verblüffend hoch sondern auch empirisch belegt und Jugendliche trotz naiver Veröffentlichung privater Informationen auf sozialen Netzwerken durchaus sensibel für den sicheren Umgang mit dem Internet.
Tatsächlich war die Informationsbeschaffung für Jugendliche noch nie so leicht wie mit dem Internet, und auch die Menge an Geschriebenem stieg bei Jugendlichen mit dem Internet beachtlich. Allein auf Facebook verbringen Jugendliche große Teile ihrer Freizeit. Und hier findet die Kommunikation rein durch Lesen und Schreiben statt, genauso wie bei SMS, Chatrooms und dergleichen. Dass Jugendliche mit dem steigenden Gebrauch digitaler Medien nicht automatisch Lesekompetenz einbüßten, zeigt sich auch daran, dass sich deutsche Jugendliche seit der Blamage der Pisa-Studie im Jahr 2000 verbessern konnten und aktuell mit ihren Lesefähigkeiten im Mittelfeld liegen. Allerdings ist der Vorsprung zu den Spitzenreitern der letzten Pisa-Studie nach wie vor dramatisch groß. Daher täte es deutschen Jugendlichen sicherlich doch gut anstatt von surfen, googlen und chatten ein bisschen mehr zu lesen, schmökern und entziffern. Denn was dem Internet gegenüber dem klassischen Buch fehlt, sind Seiten ohne Links, Anzeigen und dynamische Effekte, die den Leser ablenken, professionelle Lektoren, die sowohl für korrekten Inhalt als auch für grammatikalische Richtigkeit sorgen und Möglichkeiten nicht nur zu Kommunikationszwecken zu lesen, sondern um sich mit Inhalten und sich selbst auseinanderzusetzen.
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